Fischernetze,
Kugelwolken und vegetative Formenmeere
GÖPPINGEN. Nicht von Pappe sind die
Arbeiten, die momentan in der Galerie Kränzl in Göppingen gezeigt werden. Unter
dem Titel „Papierkunst" präsentieren neun Künstlerinnen und Künstler ganz
unterschiedliche Arbeitsweisen.
Hängen da Wespennester von der
Decke? Nein, es sind die filigranen Papierkörper von Sabine Braun. Die Künstlerin
aus Tübingen hat Packpapier kaschiert, viele Rechtecke daraus gefaltet und sie
Wabe für Wabe aneinander geklebt. Eine Kugelwolke, ein Gebilde wie ein
Fischernetz und aufgerollte Bänder sprechen eine architektonisch anmutende
Formensprache.
An der gegenüberliegenden Wand hängen die Birkenruten, die Josef Bücheler mit Hilfe von stabilem Papier zu einem Bogen geformt hat. Der Maler und Bildhauer aus Rottweil hat einen bewegten Lebensweg als Tapezierer, Polsterer und Kunstglaser hinter sich. Das Papier hat er mit Asche und Erde bemalt, die zarten Spitzen der Birkenruten lugen wie Antennen dahinter hervor.
Ganz ruhig, ja statisch kommen die
Arbeiten daher, die Dorothea Reese-Heim zeigt. Die Künstlerin aus Sindelfingen
hat Lochkarten, wie man sie für die Jacquardweberei benötigt, in Paraffin
gegossen. Reizvoll ist der milchige Farbton, der die erstarrten Formen
einhüllt.
Therese Weber stellt
Papiere unterschiedlicher Qualitäten farbigen Fotografien gegenüber. Die in
Arlesheim wohnhafte
Künstlerin hat den erstarrten
Papierbrei selbst geschöpft. Freude am Experimentieren mit den Papierfasern
demonstriert auch Helene Tschacher. Flachs und Spargel sind der Stoff, aus
denen sie ihre tütenartigen Trichter geformt hat. Joachim Tschacher hat
filigrane Boote geformt. Dazu wurde Industriepapier mit Wachs und Papieren aus
Baumwolle und Hanf vereinigt.
Vito Capone erinnert daran, dass
Papier eine lange Geschichte als Kulturträger hat. Der Künstler aus Göppingens
italienischer Partnerstadt Foggia zeigt Buchskulpturen, deren Papier er selbst
geschöpft und geformt hat. Bei seinen kleinteiligen Formaten spielt er mit
unterschiedlichen Strukturen und reliefartigen Oberflächen.
Abstrakte Formen, die
er anschließend ineinander steckt, schneidet Eberhard Freudenreich aus Papier.
So entstehen spannende räumliche Konstrukte, die viele Assoziationen von der
Theaterkulisse bis zum architektonischen Modell zulassen.
Ganz andere Papierschnitte hat
Andreas Kocks mitgebracht. Weißes Bütten ist die Grundlage für seine Kunst. Es
sind rhythmische Arbeiten, die in wellenartiger Linienführung an ein
Blütenmeer oder andere vegetative Themen erinnern. Übereinander geschichtet
bieten die Arbeiten immer wieder Ein- und Durchblicke, die sich in fortlaufendem
Muster fortsetzen.